Donnerstag, 24. Oktober 2019

Achim Zygar

Mädchenfalle


Zwei verfeindete Brüder, ein Hotelier und ein Biolandwirt, der auch ein Café betreibt. Dessen Praktikantin, Leoni, liegt eines Tages tot am Ufer eines nahen Sees. Die Bielefelder Polizei nimmt die Ermittlungen auf, verdächtigt beide Brüder, aber die haben Alibis. Zu viele mögliche Täter: Das Hotel ist voller Gäste, täglich kommt eine Busladung Kaffeegäste und auch das übrige Personal … Recherchen ergeben, dass bereits im vorigen Jahr eine Praktikantin ermordet wurde, der Mörder wurde bisher nicht ermittelt. Aber Haverbeck löst den Fall, zugegebenermaßen mit etwas Glück. Wie immer bei Zygar – flott geschrieben und Seite für Seite spannend. Ich bin nicht auf die Lösung gekommen, leider, kann diesen 14. Band aber sehr empfehlen.





Neu erschienen und gleich Bestseller, Tb 11,90, E-Book zurzeit 0,99 Euro


Donnerstag, 17. Oktober 2019

Noah Fitz


Liebstes Kind


Wer ist das tanzende Mädchen in dem Video, das bei Kommissarin Glass‘ neuestem Fall eine Rolle spielt? Es weckt vage Erinnerungen bei ihr, Anne Glass wurde als kleines Mädchen entführt. Ihre konkreten Erinnerungen wurden in einer Therapie ausgelöscht. Zum Wohle des Kindes oder der Täter? Wieso taucht dieses Video im Zusammenhang mit grausamen Morden an älteren Männern auf? Die Ermittlungen der Polizei führen zu keinem Ergebnis, bis eine Todesliste auftaucht, auf der auch Annes Name steht. Wie hängt das alles zusammen? Noah Fitz versteht es wie immer, die Spannung zu halten und zu steigern, unbedingt lesenswert.




Tb 9,99, E-Book 2,99 Euro
Neuerscheinung, Beststeller



Sonntag, 6. Oktober 2019

Inca Vogt


Die Treuetesterin: Tot bist du


So kann’s gehen: Charlie, Charlotte Spielmann, erwartet nach Abschluss eines Treue-Test-Auftrags, dass das Fiasko  ein polizeiliches Nachspiel haben könnte. Der Getestete hat den Test nicht überlebt. Aber es kommt anders, die – natürlich reiche – Auftraggeberin hat weitere Aufträge für Charlie. Dies war ihr fünfter Ehemann – daher das Geld – und sie hat Grund, sich an früheren Ex-Ex-Männern zu rächen. Die nicht immer todernste Geschichte ist spannend bis zum Schluss, auch Charlies Familie ist nicht ohne und hinter jeder Intrige steckt noch eine weitere. Absolut lesenswert.




Erschienen im Herbst 2019, Tb 9,99, E-Book 2,99 Euro


Montag, 9. September 2019

Leonie Haubrich


vorab gelesen
Die Totenkünstlerin

Im Kapitel 1 lernt man die Gedanken und Ambitionen der Totenkünstlerin kennen. Es endet so:
"Ich bin die Totenkünstlerin. Das ist erst der Anfang. "

Ellen, eine junge Frau, lebt ein Leben wie andere auch: Ihr Freund betrügt sie ab und zu, sie braucht zwei Jobs, um die anteilige Miete zahlen zu können. Bis sie eines Tages erfährt, dass sie als kleines Mädchen adoptiert wurde, weil ihre Mutter starb: Selbstmord? Unfall? Mord. Sie gibt den Uni-Job auf, macht nicht weiter in der Agentur ihres Freundes, zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Nur noch ein Gedanke: Wer hat meine Mutter ermordet? Aus der Vergangenheit tauchen Menschen auf, an die sie sich vage erinnert. Könnte der ihr Vater sein? Was will der andere von ihr? Frauen – waren sie Freundinnen oder Feindinnen ihrer Mutter. Ellen fühlt sich ständig beobachtet, weiß nicht, wem sie trauen kann.  Das wird ihr vielleicht zum Verhängnis, fürchtet man als erfahrene Leserin. Am Rande dieses neuen Lebens taucht Tobias auf, ein begabter Flötist, Straßenmusiker auf der Suche nach einem Engagement und täglich auf der Suche nach einem Nachtquartier. Das führt die beiden zusammen, zunächst zu einNacht im Büro des Lebensgefähten, dann zu einer WG in einem fast abbruchreifen Haus, das Ellen aus ihrer Kindheit kennt.
Man fragt sich ständig: Wird Ellen der Totenkünstlerin begegnen?
Wie immer bei Leonie Haubrich: spannend bis zum Schluss, ein wenig mysteriös - das gehört zu einem Psycbothriller dazu. 



Erschienen September 2019, das Tb ist bereits erschienen, das E-Book folgt am 16. September
Tb 9,99, E-Book kurzzeitig 0,99 Euro

Freitag, 14. Juni 2019

Leonie Haubrich

Dünenkind


Thriller schreiben, das kann Leonie Haubrich. Dieses Mal führt sie ihre Leser in eine geschlossene Gesellschaft, in der einer des anderen Aufpasser ist. Ein „Rat“ sorgt dafür, dass alle sich der Gemeinschaft verpflichtet fühlen, was auf den ersten Blick plausibel erscheint: Man lebt auf einer Hallig in der Nordsee. Aber dem Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet. Grausame Strafen und ein Initiationsritus lehren den Leser das Grausen. Widerwillig kehrt Marissa nach 30 Jahren zurück, ihr Vater ist schwer erkrankt. Alle ihre früheren Nachbarn stehen ihr, der Verräterin, feindlich gegenüber. Der Versuch, ihre kleine Halbschwester vor dem Ritual zu schützen, bringt sie in Todesgefahr. Wird sie überleben? Die seltsame Landschaft mitten im Meer, und die ungewöhnliche Denkungsart der Halligbewohner bilden die beklemmende Atmosphäre dieses Thrillers, der einen nicht loslässt. 



Neuerscheinung, Bestseller

Tb 8,99, E-Book zur Zeit 0,99 Euro


Sonntag, 12. Mai 2019

Wolfgang Schorlau


Ich liebe Verschwörungstheorien. Die Geschichte, die ich hier empfehlen will, ist ganz dicht an den Fakten, nämlich an dem, was in den Akten steht, die die Polizeibehörden angelegt haben. Allerdings stimmt das leider nicht mit dem überein, was den Untersuchungsausschüssen berichtet wurde. Welchen Untersuchungsausschüssen? Denen, die sich mit den NSU-Verbrechen befasst haben. Es geht um einen Krimi, in dem der Private Ermittler Dengler – einst Geheimdienstler – den Auftrag erhält „Klären Sie, wer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos getötet hat “. Ein üppiger Vorschuss in bar – den Auftrag kann man nicht ablehnen, wenn  man fast pleite ist.
Dengler stellt die Fakten zusammen, die man überall finden kann: Die beiden haben am 4. November 2011 den Tod gefunden. Böhnhardt von Mundlos erschossen, und Mundlos hat Selbstmord begangen – vor den Ohren von zwei Polizisten, die den Camper, den beide benutzten, gestellt hatten. Zwischen Mord und Selbstmord hatte Mundlos noch den Camper in Brand gesetzt. Kann man nachlesen.
Aber Olga, die Freundin von Dengler, sagt: „Nee, das kann nicht stimmen, sieh dir die Zeitangaben an, die die Beamten in die Akten geschrieben haben.“ Dengler rechnet: Genau 20 Sekunden liegen zwischen dem Auftauchen der Beamten am Ort und dem letzten Schuss. In diesen knappen Sekunden sollen sich die beiden zum Selbstmord und der Brandlegung entschlossen und das Ganze auch ausgeführt haben. Wer glaubt das? Nur die Leute in den Untersuchungsausschüssen. Und natürlich die Öffentlichkeit, bis auf die, die Artikel in der Welt oder in der ZEIT zum Thema gelesen haben.


Von dem Punkt an wird der Krimi außerordentlich spannend. Man bekommt vorgeführt, wie Geheimdienste arbeiten. Und es fällt einem der Titel des Buches ein: Die schützende Hand. Wer war das wohl, der den Morden zugesehen hat? Zehn Morde immerhin, bei denen niemand auf die Idee kam, sie könnten einen politischen Hintergrund haben. Irgendjemand sagt: Leider eine etwas brutale Art. V-Leute auszuschalten, die zu viel verraten könnten. Was hat man wohl Beate Zschäpe versprochen, damit sie so eisern schweigt, wie sie es getan hat? Oder was hat man ihr angedroht?
Ich schwankte ständig zwischen Glauben und Zweifel. Die Recherchen des Autors –  Manfred Schorlau  – sind sehr gut dokumentiert: Zu allen erwähnten Zeitungsmeldungen gibt es Links, man kann sich über beigefügte Fotos über wandernde Totenflecken und Totenstarre informieren. Stegdra kann oder muss nicht der Ort sein, an dem die beiden Verbrecher starben.
In der ZEIT vom 2. Mai 2019 (Nr. 19) las ich in der Rubrik Recht & Unrecht den Artikel „Das vergessene Opfer des NSU“. Schon 1999 gab es ein Attentat in Nürnberg. Erster Eintrag in der Akte: Kein politisches Motiv erkennbar. Ein naher Bekannter des jungen Türken zeigte ihn – laut Akteneintrag - an, das Attentat selbst inszeniert zu haben. Der betroffene Mann ist offiziell nie darüber informiert worden, dass es eine Tat des NSU war. Die schützende Hand gab es von Anfang an.
Was ich natürlich auch gern wissen würde: Wozu brauchte man diese NSU-V-Leute? Wenn - ja, wenn die "Fakten" stimmen.




von Wolfgang Schorlau | 6. April 2017










Mittwoch, 20. März 2019

Thomas Herzberg




Eiskaltes Sylt
Der Bauer Mommsen wird tot aufgefunden. Niemanden wundert das, denn er ist auf Sylt verrufen, hat im Gefängnis gesessen für Taten, über die man nicht spricht. Vier junge Frauen, die durch erlittenes Leid verbunden ist, haben auf Rache gesonnen, für das, was man ihnen in ihrer Kindheit angetan hat. Ist eine von ihnen die Täterin? Der Zustand der Leiche spricht dagegen, die für den Mord erforderliche Kraft hat keines der Mädchen. Die Kommissare Hannah Lambert  und Ole Friedrichsen, stationiert in Niebüll, sind für den Mord auf Sylt zuständig. Schnell wird klar, dass auch die Väter der Mädchen involviert sein könnten. Und nicht nur in diese Tat. Jeder Ermittlungsschritt führt tiefer in die Geheimnisse, die viele der Verdächtigen verbinden. Man lernt Hannah Lambert in diesem zweiten Band der Sylt-Reihe näher kennen und ihre Spürnase bewundern. Absolut lesenswert.

Erschienen Februar 2019, z.Zt. E-Book 0,99 Euro